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10.06.2020 | 

Lernen lehren!

Warum Corona Lernunterschiede verstärkt

 

Lernen muss gelernt werden. Das ist nichts Neues. Damit Kinder gerne lernen, sollten dabei ihre Grundbedürfnisse nach Erfolgserlebnissen und angenehmen Beziehungsmomenten befriedigt werden. Sie brauchen Menschen, die ihnen geduldig beim Lernen-Lernen helfen, die ihnen beibringen, Probleme zu zerlegen und Aufgaben anzuordnen. Kinder müssen lernen, Lernprozesse zu strukturieren, um sie selbstständig zu bewältigen. In diesem Bereich klafft eine Schere auseinander, die sich coronabedingt weiter öffnete. 

 

Es gibt Kinder, denen bereits in der Volksschule beigebracht wird, sich zu organisieren und eigene Lernstrategien zu entwickeln. Die meisten jedoch erfüllen Aufgabe nach Aufgabe, so linear wie sie unterrichtet werden. Fällt der Schulunterrichts plötzlich weg, fehlt die Struktur – übrig bleibt nur ein diffuser Haufen an To Dos. Genau dann spielt das Elternhaus eine wichtige Rolle. Eltern die selbst Metawissen übers Lernen haben, oft sind das Personen mit höherer Bildung, können Kinder viel besser dabei unterstützen, ihren Lernaufwand sinnvoll und produktiv zu strukturieren. Natürlich ist auch ein sehr wichtiger Faktor, wieviel Zeit die Eltern oder Bezugspersonen zur Verfügung haben, um sich für die Lernprozesse ihrer Kinder zu interessieren. Das hängt von den Arbeitsverhältnissen, der Anzahl der Geschwister aber auch der Kapazität sich auf andere einzulassen ab. 9 von 10 Eltern möchten Kinder zum Lernen motivieren – es ist nur nicht für alle gleich leicht! 

 

Selbstverständlich spielt auch die technische Infrastruktur, die Möglichkeit Internet, PC, Drucker etc. zu nutzen eine große Rolle, ebenso wie ein ungestörter Arbeitsplatz und nicht zuletzt eine emotional und körperlich „sättigende“ Umgebung als Voraussetzung um sich überhaupt konzentrieren zu können. Der Sozialstaat bemüht sich glücklicherweise, diese Aspekte abzufedern, manchmal stößt er dabei jedoch an seine Grenzen. Wichtig wäre außerdem, alle Schülerinnen und Schüler ab der ersten Schulstufe in selbstständigem und selbstbestimmtem Lernen zu fördern. Damit wäre ihnen für’s ganze Leben geholfen und später könnten sie auch ihre Kinder besser beim Lernen unterstützen. Bis dahin ist es für die meisten Kinder Glücksache, ob ihre Eltern die Corona-Zeit nutzen konnten, um mit ihnen das Lernen zu üben. Deshalb ändern leider auch wichtige Aktionen wie verliehene Tablets oder Laptops nichts an der Tendenz, die „Die Zeit“ bereits zu Beginn der Krise voraussah: „(...) aus dieser Pause dürften die Starken stärker hervorgehen und die Schwachen schwächer.“ 

 

Quellen und weiterführende Links: 

Der zitierte Artikel von aus „Die Zeit“ vom 21.3.:  

www.zeit.de/wirtschaft/2020-03/soziale-ungleichheit-coronavirus-pandemie-versorgung-covid-19  

 

Weitere interessante Artikel über die coronabedingte Verstärkung der sozialen Ungleichheit:  

www.rnd.de/familie/digitales-lernen-warum-corona-die-soziale-ungleichheit-in-der-bildung-noch-verstarkt-JDITZ2QIRBGZ3LUV4YXXQZM32Q.html 

www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2020/20200526_Corona_Papier_Evidenz.pdf 

www.meinbezirk.at/oberoesterreich/c-politik/soziale-ungleichheit-in-der-krise_a4032090 

 

Die Bildungswissenschafterin Birgit Eickelmann geht im „After Corona Club“ des NDR ua. auch auf die Bedeutung von Lernstruktur ein, prädikat sehenswert! youtu.be/gs3BdAxGi1I  

  

Initiativen die beim Lehren und Lernen unterstützen: 

www.weiterlernen.at 

www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/beratung/corona/corona_fl/corona_unt_eltern.html 

www.lernentrotzcorona.ch

 

 

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