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06.11.2019 | 

Kindgerechtes Glückspiel?

Über Coin Master und kritisches Medienverständnis

Vor einigen Wochen widmete der Satiriker Jan Böhmermann eine Ausgabe seiner Magazinsendung dem digitalen Spiel „Coin Master“. Die App ist ein simuliertes Glückspiel, das sich an Kinder richtet. Dies ist insofern problematisch, als bei „Coin Master“ (und ähnlichen simulierten Glücksspielen) ein junges Publikum ganz legal Mechanismen des klassischen Glücksspiels trainieren kann. Suchtgefahr inklusive! Für Bekanntheit des Spieles sorgen Werbungen mit Influencer_innen, wie etwa bei Youtuberin Bibi. Und das mit Erfolg: Die Entwicklerfirma Moon Active rühmt sich mit über 100 Millionen Downloads in 136 Ländern und es werden Umsätze von über 10 Millionen Euro pro Monat generiert.

Die 20-minütige Sendung von Jan Böhmermann wurde auf Youtube mittlerweile über 1,5 Millionen mal angesehen, zahlreiche Print- und Onlinemedien griffen das Thema auf, die deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien prüft eine Altersbeschränkung und Indizierung des Spieles. In Österreich veröffentlichte die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von digitalen Spielen (BuPP) einen Artikel zu „Coin Master“. Sein Autor, der Experte Markus Meschik, leitet die Fachstelle für digitale Spiele „Enter“ in Graz. Er ist Spezialist für Computerspiele und Spielsucht und hat einem exklusiven Interview zu den Themen Spielen, Sucht und Lernen zugestimmt. Wir freuen uns, es in den nächsten Tagen an dieser Stelle zu veröffentlichen.  

Es bleibt zu hoffen, dass auch hierzulande „Coin Master“ bald nicht mehr für Minderjährige frei gegeben ist. Es gibt allerdings auch viele andere Spiele, die Glücksspielmechanismen bedienen oder aus anderen Gründen nicht für Kinder geeignet sind. Erwachsene sollten generell ein Auge darauf haben, welche Apps Kinder und Jugendliche nutzen. Wer diese Lieblingsspiele selber ausprobiert und sich danach mit den Kindern über die Erfahrungen unterhält und den Aufbau des Spieles hinterfragt, hilft der nächsten Generation, ein kritisches Verständnis für die mediale Umwelt zu entwickeln. Die damit geübte kritische Haltung ist die beste Voraussetzung für sichere Nutzung von Internet und digitalen Spielen. Und das gemeinsame Ausprobieren der Spiele kann ja auch richtig Spaß machen!

 

 

Weiterführende Links:

 

Informationen zum Spiel „Coin Master“ auf Wikipedia:

de.wikipedia.org/wiki/Coin_Master

 

Das Video von Jan Böhmermann verhalf dem Phänomen Simuliertes Glückspiel zu großer Öffentlichkeit:

www.zdf.de/comedy/neo-magazin-mit-jan-boehmermann/coin-master-kacheln-100.html

 

Die Webseite der Spielentwickler:

www.moonactive.com

 

Der vom Experten Markus Meschik verfasste Artikel auf der Seite der BuPP:

www.bupp.at/de/blog/%E2%80%9Ecoin-master%E2%80%9C-%E2%80%93-%C3%BCber-gambling-und-gaming

 

Die Fachstelle „Enter“ (Graz) veranstaltet eine Veranstaltungsreihe zu Neuen Medien in der Familie. Am 20.11.2019 ist das kostenlose Angebot dem Thema Suchtgefahr gewidmet, dabei werden auch simulierte Glücksspiele behandelt:

www.graz.at/cms/beitrag/10337489/8106444/Insta_Snapchat_Whats_App.html

 

www.graz.at/cms/dokumente/10337489_8106444/68b36017/Digitale_Familie_Veranstaltung.pdf

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