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27.08.2020 | 

Keine Macht dem Schwurbel

Verschwörungsmythen in der Bildungsarbeit

 

Bill Gates, George Soros, die Illuminati, Reptiloiden oder Außerirdische wollen uns kontrollieren, die Erde ist eine Scheibe, die Corona-Pandemie laborgezüchtet und die Mehrheit dumm wie Schafe... Solche und ähnliche Erzählungen - bekannt als Verschwörungstheorien - wirken abstrus, sind aber weit verbreitet. Der landläufige Begriff Verschwörungstheorie sei jedoch irreführend, argumentieren die Autorinnen des Buches "Fake Facts" Katharina Nocun und Pia Lamberty, da Theorien immer wieder überprüft, verändert und bei widersprüchlicher Beweislage auch verworfen werden. Für Geschichten von Weltverschwörung und geheimer Gefahr gilt das nicht, daher sollte eher von Mythen und Erzählungen die Rede sein.   

In wenigen Worten zusammengefasst, entspricht der Glaube an Verschwörungserzählungen meist dem Versuch, Strukturen zu schaffen, wo Kontrollverlust und Chaos drohen. Die Muster der Erzählungen ähneln sich, es gibt ein klares Gut-Böse-Schema und die meisten AnhängerInnen stilisieren sich als heroische Minderheit gegenüber einer Allmacht aus Gefahr, Desinformation und Ignoranz. Die Mythen befriedigen das narzisstische Bedürfnis nach Einzigartigkeit und schaffen Kausalitäten, wo wissenschaftliche Erklärungen unzureichend erscheinen. 

Verbreitet werden Verschwörungsmythen gerne über soziale Netzwerke. Wer das erste entsprechende Video angesehen hat, den versorgen die Algorithmen der Plattformen oft mit „more of the same“. Auch private Chats in Messenger-Diensten spielen eine große Rolle bei der Verbreitung. Hinterlassen Familienmitglieder, FreundInnen oder Bekannte solche Aussagen etwa in einem Gruppenchat, auf einer Facebook-Seite oä. ist es empfehlenswert, auf andere Quellen zu verweisen um neue Perspektiven auf das Thema zu eröffnen – Schweigen könnte nämlich als Zustimmung gewertet werden. Insgesamt ist die Wirkung von sachlichen Gegenargumenten aber begrenzt, es besteht sogar die Gefahr des Backfire-Effekts: Dieser beschreibt, dass Widerspruch eine ideologische Haltung sogar verstärken kann.   

Wichtigstes Mittel um Radikalisierung und Vereinnahmung durch Verschwörungsmythen entgegen zu wirken ist die Beziehungsarbeit. Hierbei ist es wichtig, zwischen einer Person und ihren Ideen zu trennen. Wer Leute weiterhin ernst nimmt, respektiert und wertschätzt, kann vorsichtig einzelne Aussagen hinterfragen. Hierbei ist auch Quellenkritik – ein Herzstück der Medienpädogogik, das man nicht oft genug üben kann – ein wichtiges Mittel. Eine solch respektvolle und wertschätzende Beziehung erlaubt es Betroffenen, Widersprüchlichkeiten und Zweifel anzusprechen. Das Angebot sollte stets lauten: Meldet euch, wenn ihr unsicher seid! Sprecht darüber! Schauen wir uns die Behauptungen gemeinsam an! Das gilt für SchülerInnen genauso wie für Familienmitglieder, FreundInnen und Bekannte.  

Weitere Infos: 

Das erwähnte Buch „Fake Facts“ erschien im Frühjahr: www.luebbe.de/quadriga/buecher/gesellschaft/fake-facts/id_7818123 

4 Podcasts zu Verschwörungsmythen und den möglichen Umgang damit: www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/306942/corona-und-verschwoerungstheorienDieser

Zeitungsartikel ist interessant und bietet auch einige weiterführende Links: www.zeit.de/amp/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-06/umgang-mit-verschwoerungstheoretikern-deradikalisieung-rechtsextremisten-strategien-verhalten 

Workshop „Was glaube ich dem Internet? Online-Quellen kritisch bewerten. (5.-8. Schulstufe)“: a1internetfueralle.at

 

 

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