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30.09.2019 | 

Computer Wellness (Teil 1)

Bewusst und entspannt vor dem Computer

Medienkompetenz betrifft auch den Körper und so legen wir bei unserer Arbeit am "A1 Internet für Alle"-Campus Wert darauf, die körperlichen Aspekte nicht zu vernachlässigen. Wir machen das, indem wir z.B. zeitgerechte Pausen einlegen, ein paar Lockerungsübungen anleiten oder auf gute Sitzpositionen achten. In zwei Beiträgen möchten wir den Fragen nachgehen: Wie kann dem Körper durch bewussteren Medienkonsum wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden? Kann durch Nutzung digitaler Tools auch Bewegung gefördert werden?

 

Da Medien vor allem visuell genutzt und konsumiert werden, wird das Physische hintangestellt. Man sieht bewegte Bilder, aber selbst hält man still. Für die körperlich und mentale Entwicklung - in jedem Alter - ist es jedoch wichtig, die Welt vor allem senso-motorisch zu erfahren.

 

Die Körperwahrnehmung

Vorweg ein Selbstversuch: Während Sie diesen Text - sitzend, stehend oder liegend - lesen, versuchen Sie gleichzeitig wahrzunehmen, was ihr Körper dabei macht oder wie es ihm geht.

Stellen sie sich folgende Fragen: Wie sitze ich eigentlich? Nach vorne gebeugt? Fallen vielleicht meine Schultern nach vorne? Müssen sich meine Augen anstrengen beim Lesen? Kann ich frei atmen? Verkrampft sich vielleicht mein Nacken oder zieht es im Schulterbereich? Habe ich mitunter Schmerzen?

Wenn dem so ist, sind sie nicht alleine. Diese Symptome tauchen bei einem großen Teil unserer meist sitzenden Gesellschaft auf – ja, es ist fast schon zur Normalität geworden, aber das macht die Sache nicht unbedingt besser. Laut der Kinderstudie KiGGS des Robert-Koch-Instituts, geben drei Viertel der 11 bis 17-Jährigen an, gelegentlich Rückenschmerzen zu haben.

 

Homo sedens?

Von Kindesalter an sitzen wir. Allerdings ist evolutionär gesehen, das oft stundenlange Sitzen auf Sesseln nicht günstig für unsere Physiognomie. Deswegen ist es wichtig, etwaigen Fehlhaltungen schon im frühen Alter entgegen zu wirken. Eine wichtige Maßnahme wäre hier, dass die Sitzgelegenheit dem Alter entsprechend angepasst wird.

 

Zurück zum eigenem Körpergefühl in diesem Moment: Kann ich entspannt sitzen und diesen Text lesen? Falls es sich nicht so anfühlt, was kann mir dabei helfen? Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen mein Kopf ist wie ein Ballon, der aufsteigt. Kann ich den Nacken so in die Länge ziehen? Das Kiefer darf auch mal ganz locker sein. Und versuchen sie die Schultern tendenziell nach hinten zu führen. Lässt es sich so leichter atmen?

 

Ganz allgemein ist es relevant, wie viel Zeit am Stück vor einem Bildschirm verbracht wird. Wichtig ist es, vor allem, zwischendurch Pausen zu machen. Um eine Orientierung zu geben, empfiehlt das Internet-ABC folgende Richtwerte zur Verweildauer: 4 - 6 Jahre: bis zu 30 Minuten, 7 - 9 Jahre: bis zu 60 Minuten und 10 - 12 Jahre: bis zu 75 Minuten. 

 

Konzentrieren Sie sich nun auf ihre Augen. Sind sie müde, trocken? Bilden sich Stirnfaltern, weil sie sich beim Lesen anstrengen müssen? Spätestens jetzt sollten Sie für ein paar „Augenblicke“ in die Ferne schauen oder Ihre Augen einfach kurz schließen.

 

Es ist mittlerweile weniger das Lesen bei zu wenig Licht, sondern der zu helle und/oder nahe Bildschirm stellt das Problem dar. Körperliche Übungen, sowie Bewegungsspiele sollten regelmäßig in den Alltag und auch im Rahmen des Unterrichts einfließen. Wenn wenig Raum und Zeit gegeben ist, reicht auch mal ein einfaches „Hände-Ausschütteln“, Armkreisen, Nackenkreisen oder auch eine kurze Nacken-(selbst)massage.

 

Was die Nutzung von Smartphones betrifft, gilt es auch Pausen einzulegen und sich immer wieder zu fragen: Wie geht es meinem Nacken? Kann ich das Smartphone so halten, dass mein Kopf nicht nach unten kippt und man zur Schildkröte wird? (Tipp: Augen statt Kopf senken)

 

Ungefähr sechs Kilo wiegt ein durchschnittlicher menschlicher Kopf. Wird dieser über längere Zeit in typischer Smartphone-Pose nach vorne geneigt, kann das zu einer Belastung der Halswirbelsäule führen. Zu Bedenken gibt Univ.-Prof. Ronald Dorotka in einem Interview im Kurier: „Wenn wir stundenlang mit dem Smartphone spielen, dann werden sie (die Kinder) das genauso tun…Wir haben eine große Vorbildfunktion.“

 

Nach dieser näheren Beleuchtung der körperlichen Eigen- sowie Fremdwahrnehmung, werden wir uns im nächsten Blog auf die Suche nach bewegungsfördernden digitalen Spielen machen.

 

 

Weiterführende Links

Literaturhinweis: "Der Einfluss digitaler Medien auf die körperliche Entwicklung von Kindern“, Bachelorarbeit von Jennifer Gross. siehe www.grin.com/document/388872

 

Geeignete Sitzposition: gesund.co.at/der-richtige-lernplatz-fuer-kinder-28195/

Tipps zum optimalen „dynamischen“ Sitzen: www.ergotopia.de/blog/richtig-sitzen

 

Eine Ratgeber für die altersgerechten Mediennutzung: www.jugendundmedien.ch/medienkompetenz-foerdern/eltern-familie.html

 

Bewegungsfördernde Tipps

Bewegungskalender: www.tgkk.at/cdscontent/content_print.xhtml

Entspannungsübungen: www.schule.at/portale/biologie-und-umweltkunde/teilgebiete-der-biologie/mensch-medizin/gesundheit-und-vorsorge/fitness-und-wellness/entspannungstechniken.html

 

Körperwahrnehmung im Unterricht:  www.schule.at/portale/biologie-und-umweltkunde/teilgebiete-der-biologie/mensch-medizin/gesundheit-und-vorsorge/gesundheitsvorsorge/detail/gesund-und-munter-heft-10-haltungsschaeden-vorbeugen.html

 

Übungen für die Augen

www.kindersache.de/bereiche/wissen/natur-und-mensch/macht-computerspielen-kurzsichtig

www.zeitblueten.com/augentraining-augenuebungen/

www.ergotopia.de/blog/augentraining-uebungen

 

 

.. und nun ist es höchste Zeit: Machen Sie eine kurze Bildschirm-Pause!

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